Interview

Bitte stellen Sie sich und Ihr Buch kurz vor.
Ich habe bereits Bücher für alle Altersgruppen geschrieben, für jüngere Kinder bis hin zu Jugendlichen. Who I am not ist mein fünfter Jugendroman – trotzdem ist er ganz anders als alles, was ich bisher schrieb. Die Geschichte ist viel düsterer und hat etwas von einem Thriller (hoffe ich). Sonst habe ich immer eher witzig geschrieben – aber der Humor in diesem Buch (ja, da ist welcher drin!) ist schwarz.

Who I am not basiert auf einer wahren Begebenheit. Ein Junge will dem Ärger mit der Polizei entgehen und gibt sich als einen anderen aus – einen Jungen, der seit drei Jahren vermisst wird. Wundersamerweise wird er von der Familie des vermissten Jungen angenommen und beginnt sich zu fragen, wer eigentlich gerade wen täuscht.

Was tun Sie gerne, wenn Sie nicht schreiben?
Außer dem Schreiben liebe ich die Musik. Ich spiele zusammen mit anderen Musikern, mein Sohn ist auch oft dabei. Ich spiele Akustik-Gitarre und Banjo und ich liebe die Blues- und Raggy-Musik der 1920er- und 1930er-Jahre – was bedeutet, dass die Musik mein Hobby bleiben wird. Wenn ich nicht spiele, lese oder jogge ich.

Was mögen Sie an Ihrem Buch am liebsten?

Ich mag den Protagonisten, besonders weil er im wahrsten Sinne des Wortes nicht weiß, wer er eigentlich ist. Jedes Kind fragt sich wahrscheinlich irgendwann, ob es nicht in Wirklichkeit ein Prinz oder eine Prinzessin ist und fälschlicherweise in seinem Elternhaus aufwächst; denkt sich andere Identitäten aus und versucht, die Leute an der Nase herumzuführen. Aber wenn wir versuchen, andere zu täuschen, täuschen wir uns dann nicht gleichzeitig selbst?

Mit demselben Hintergrund mag ich auch Harley sehr gern. Es hat Spaß gemacht, ihn zu schreiben.

Who I am not ist Ihr erstes Buch, das auf Deutsch erscheint. Wie ist das für Sie?

Es fühlt sich großartig an! Und ich bin sehr stolz.
Andere meiner Bücher wurden in einige Sprachen übersetzt, aber das hier ist etwas Besonderes. Deutsche Verlage und Leser haben einen enorm guten Ruf in Kanada, daher ist es für mich eine Ehre, dass mein Buch auf Deutsch erscheint. Ich wünschte, ich hätte mich etwas mehr herausgeputzt und meinen Füller ausgepackt, um diese Fragen zu beantworten :).

Wie gefällt Ihnen das deutsche Cover?

Das Cover ist toll! Es strahlt förmlich, ist gleichzeitig ein bisschen frech und die Gestaltung und der Untertitel schnappen den Kern der Geschichte perfekt auf. Wäre ich doch nur selbst auf diesen Untertitel gekommen! Darf ich ihn für mein nächstes Buch ausleihen?

Familie Dellomondo lebt unter dramatischen Umständen. Wie haben Sie diese Familie entworfen?

Die Dellomondos mussten eine Familie werden, die recht profan wirkt, eher ärmlich lebt und ein Stück weit unberechenbar ist. Etwas Schreckliches ist in dieser Familie passiert, aber der Druck des Alltags lastet schwer auf ihnen.

Was diese Familie interessant macht, ist die Frage, wie ungewöhnlich ganz „normale“ Menschen mit Stress und Druck umgehen.

Harley ist ein Krimineller, sagt nicht viel und stirbt zu Beginn des Buches. Trotzdem mag man ihn als Leser. Wie schaffen Sie das?

Rückblenden sind ein wichtiges Instrument, um einen Charakter wie Harley noch nach seinem frühen Tod „mit Leben zu füllen“. Ich denke, so eine Trickbetrüger-Figur wie Harley übt automatisch einen gewissen Reiz aus (auf mich jedenfalls). Und wenn man die Informations-Stückchen, die man im Laufe der Geschichte über Harley erfährt, zusammensetzt, denke ich, dass man als Leser merkt, dass Harley sich auf seine Art um den Protagonisten sorgte.

Wie waren die ersten Reaktionen auf Who I am not?

Das Buch ist wirklich ganz gut angekommen, was mich sehr gefreut hat.
Jugendliche Leser haben es sehr gelobt, Who I am not wurde für mehrere Preise nominiert und hat hier in Kanada den John Spray Mystery Award gewonnen (dabei wusste ich gar nicht, dass ich etwas Mysteriöses geschrieben hatte!).
Toll ist auch, dass das Buch auch erwachsene Leser anzusprechen scheint.  Ich bin sehr dankbar.

Was sollen die Leser nach der Lektüre verstehen oder mitnehmen?

Zwei Dinge, denke ich: Als erstes genau das, was der Deutsche Untertitel aussagt, nämlich dass Lügen die Wahrheit ans Licht bringen können; Lügen sind wie Wünsche.
Und zweitens, dass man im Leben nicht in der Vergangenheit steckenbleiben darf. Es gibt immer – auch wenn es wahrscheinlich nicht perfekt wird – Hoffnung.